Antoniushilfe e.V.Anthony's Foundation
Unser Gründer

Das Leben und Wirken von Bischof Dr. Andrew Francis

* 29. November 1946 in Adah, Pakistan · † 6. Juni 2017 in Lahore

← Über uns Bischof Dr. Andrew Francis in bischöflichem Gewand mit Mitra und Hirtenstab
Geboren29. November 1946, Adah (Pakistan) Priesterweihe10. Januar 1972 Bischof von Multanab 2000, ernannt von Papst Johannes Paul II. Gestorben6. Juni 2017, Lahore

Stationen

Mit freundlicher Genehmigung des Vereins Friedenszeichen e.V. folgt hier ein Text, der die Stationen im Leben von Bischof Andrew Francis seit seiner Begegnung mit Pater Burkhard Nogga †, der ihm 20 Jahre lang unterstellt war, sehr gut wiedergibt. Als Mitglied des Vereins Friedenszeichen durfte ich das Wirken des Bischofs, insbesondere in Deutschland, von Anfang an miterleben. – Reiner Wettcke

Zwanzig Jahre voller Dankbarkeit

Zwanzig Jahre lang hat unser Verein Friedenszeichen e.V. Bischof Andrew unterstützt. Als junger Priester übernahm er immer wieder Urlaubsvertretungen in einer Kirche in unserer Nähe. Er sprach fließend mehrere Sprachen, doch in Deutschland brauchte er eine Übersetzung seiner Predigten aus dem Englischen. Im Sommer 1997 wurde unsere 1. Vorsitzende, Frau Grundberger, zum Übersetzen eingeladen. Sie ahnte nicht, dass diese erste Begegnung der Beginn einer langjährigen Freundschaft war.

Bischofsernennung durch Papst Johannes Paul II. im Jahr 2000

Im Jubiläumsjahr 2000 ernannte Papst Johannes Paul II. Dr. Andrew Francis zum Bischof von Multan. Zur Bischofsweihe waren wir als Gäste nach Lahore eingeladen. Seitdem unterstützten wir sein segensreiches Wirken. Jedes Jahr war er in unserem Vereinshaus in Deutschland zu Gast, und wir halfen ihm mit Kontakten zu vielen Menschen, Kirchengemeinden und Hilfswerken wie Missio und Kirche in Not. Viele Freundschaften entstanden, besonders auch zu Pfarrer Dr. Richard Kocher, dem Programmdirektor von Radio Horeb. Immer wieder sprach Bischof Andrew zu den Hörern über seine Arbeit und sein Land. Er war eine wichtige Stimme für die verfolgte Kirche.

Unser Besuch in Pakistan

Mehrmals waren wir in der Diözese Multan zu Gast. Mit dem Bischof besuchten wir die oft weit verstreuten christlichen Gemeinden. Wir ritten auf Kamelen durch die Wüste, fuhren bei Sonnenuntergang im Fischerboot auf dem Indus und waren auf Ochsenkarren und Rikschas unterwegs. Immer wieder wurden wir von christlichen Familien eingeladen und waren von ihrer Herzlichkeit überwältigt. Wir gaben ihnen zu verstehen, dass sie nicht allein sind, dass wir ihnen in ihrer Not beistehen und für sie beten.

Das weltweite Ausmaß der Christenverfolgung ist in den westlichen Medien leider kaum ein Thema. Durch unsere Freundschaft mit Bischof Andrew waren wir selbst betroffen und konnten mit einem großen Freundeskreis viel Hilfe ermöglichen. In der Wüste von Multan begegneten wir Christen mit starkem Glauben und großer Liebe – wir fühlten uns durch sie im Glauben gestärkt, wie zurückversetzt in die Zeit der Apostelgeschichte.

Ein Bischof für alle

Der Bischof half nicht nur Christen; in der Not machte er nie einen Unterschied nach Glauben oder Herkunft. Er war für alle da – besonders während der großen Hochwasserkatastrophe und beim Erdbeben im Norden des Landes. Viele Familien erhielten Zelte und warme Decken, ein aus Österreich gestifteter Krankenwagen versorgte die Kranken. Besonders Kinder und Jugendliche lagen ihm am Herzen. Er gründete zahlreiche Schulen, um den Kindern der armen Bevölkerung durch gute Bildung ein besseres Leben zu ermöglichen. Muslimische und christliche Kinder sollten gemeinsam zu Toleranz und Nächstenliebe erzogen werden. Es war Bischof Andrews großer Traum, im religiösen Dialog an einer neuen Gesellschaft der Mitmenschlichkeit zu bauen. Stets bemühte er sich um gute Beziehungen zu den Vorstehern der Moscheen und zu Verantwortlichen in Politik und Gesellschaft.

Ein verbindendes Glied zwischen Christen und Muslimen

Nicht nur unter Christen war Bischof Andrew sehr beliebt. Seine Worte trafen ins Herz und veränderten Menschen. Auch viele Muslime kamen zu den Gottesdiensten und Heilungsgebeten in die Kathedrale von Multan, und viele erfuhren durch sein Gebet Heilung von Krankheit und Leid. Sein Leben erinnert an das der großen Apostel – doch auch ihm drohte die Gefahr, dem Terrorismus zum Opfer zu fallen.

Wenn christliche Kirchen und Dörfer niedergebrannt und Christen verfolgt, verwundet oder getötet wurden, war es der Bischof, der zu Vergebung und Versöhnung aufrief. Immer wirkte er einer Eskalation der Gewalt entgegen, in der gegenseitige Rache noch mehr Unheil angerichtet hätte.

Der Bischof in Deutschland und bei Radio Horeb

Viele Male war Bischof Andrew in Deutschland, besuchte zahlreiche Gemeinden und sammelte Hilfsgelder für seine Projekte. Immer wieder war er zu Gast bei Radio Horeb, wo ihn eine herzliche Freundschaft mit dem Programmdirektor Pfarrer Dr. Richard Kocher verband. Er liebte diesen Sender und betonte stets, welch wertvollen Dienst er für die Evangelisierung in unserem Land leiste. Jeder Besuch des Bischofs war eine Begegnung der ganz besonderen Art. Ich persönlich erinnere mich gut an ein Beichtgespräch bei ihm, in dem seine väterliche Art besonders spürbar wurde – er war ein hervorragender Seelsorger und ein Vater für alle.

Die große Flut

Als 2010 der Indus über die Ufer trat und einen großen Teil der Diözese Multan überschwemmte, watete der Bischof selbst durch das Wasser, um Menschenleben zu retten. Über die Beziehungen, die wir über Jahre in Deutschland, Österreich und der Schweiz aufgebaut hatten, flossen viele Hilfsgüter und Spenden zu den Flutopfern; einen Teil davon haben wir bei unserem Besuch selbst verteilt. Schon zu Beginn der Katastrophe baute die Diözese gemeinsam mit der Caritas Multan einen Katastrophenhilfsdienst auf, der in allen Gebieten unterwegs war. Dringend gebraucht wurden Lebensmittel, Hausrat, Kleidung, Decken, Zelte, Wasserfilter und medizinische Versorgung.

Der Unfall

Dreimal wurde im Lauf der Jahre versucht, Bischof Andrew zu töten; immer blieb er bewahrt. Sein großartiges Wirken fand jedoch ein tragisches Ende, als im Herbst 2012, in der Nacht nach seiner Rückkehr aus Rom, ein Auto sein Fahrzeug rammte und ihn schwer verletzte. Die Fahrer des anderen Wagens wurden nie ermittelt. Über unseren Verein riefen wir zu Spenden auf, und der Bischof konnte in einer Spezialklinik in Deutschland behandelt werden.

Tod nach langem Leiden

Sein Zustand besserte sich, doch er blieb querschnittsgelähmt und auf Pflege angewiesen; ein Jahr später legte er sein Amt nieder. 2017 verschlechterte sich seine Gesundheit, und am 6. Juni 2017 starb er nach fast fünfjähriger Leidenszeit. Tausende begleiteten seine Beerdigung. Sein Grab neben der von ihm renovierten Kathedrale von Multan ist zu einem Wallfahrtsort geworden. Bischof Andrew wirkte stets – dem Aufruf von Papst Johannes Paul II. folgend – für eine Zivilisation der Liebe, der Toleranz und der Gerechtigkeit.

Zeugnis seines Bruders Joe Francis

„Trotz aller schwierigen Umstände war Andrew nie entmutigt oder vom Leben enttäuscht. Er klagte nicht und behielt immer die Fassung. Sein zuversichtliches, friedliches Gesicht, seine kräftige Stimme und sein verschmitztes Lächeln werden mir immer in Erinnerung bleiben. Mein Bruder war ein betender Mensch, der den Frieden liebte und durch sein Wirken für den interreligiösen Dialog viele Brücken baute. Auch in schwierigsten Situationen setzte er sich für Frieden und Gerechtigkeit ein und konnte so viel Rache und Unheil verhindern. Er war ein begnadeter Redner und Schriftsteller, ein kühner, revolutionär denkender Mensch.“
Gebet mit den Gläubigen seiner Diözese
Gebet mit den Gläubigen seiner Diözese
Segen für eine Mutter und ihr Kind
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Die Kinder lagen ihm besonders am Herzen
Die Kinder lagen ihm besonders am Herzen
Hilfe für Familien in Not
Hilfe für Familien in Not
Im Einsatz für den interreligiösen Dialog
Im Einsatz für den interreligiösen Dialog
Begegnung in Rom
Begegnung in Rom